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Bergbaugeschichte

Franzosenzeit

Die wirtschaftliche Lage der Ramsbecker Gruben war zu Beginn der 50-er Jahre des letzten Jahrhunderts schlecht. Deshalb war der Rheinisch-Westfälische-Bergwerksverein im Juni 1853 froh, mit der Stolberger Gesellschaft einen Käufer für die Gruben gefunden zu haben. Präsident der neuen Eigentümer war Andreas Köchlin, der Generaldirektor war ein Henry Marquis de Sassenay.
Und nun begann ein kometenhafter, beispielloser Aufstieg des Ramsbecker Reviers. Denn mit der Übernahme der Ramsbecker Gruben verfolgte Marquis de Sassenay das Ziel, in Ramsbeck das größte Industriezentrum Europas zu schaffen.
Die Investitionen, die getätigt wurden, waren enorm. So sollten 25 Pochwerke zur Aufbereitung der Erze errichtet werden, von denen 1854 alleine 15 bereits in Bau genommen wurden. Zwei Hütten für 30.000 t Bleierz waren geplant. Der Marquis verstand es immer wieder, Geldgeber für seine überdimensionierten Ziele zu gewinnen, und dabei scheute er auch nicht vor Betrügereien zurück.
Die zur Errichtung der Anlagen benötigten Arbeiter, Handwerker und Fuhrleute wurden aus allen Teilen des Landes zu Tausenden angeworben. Die Bergleute versuchte man im Harz anzuwerben. Die Kolonien Neu-Andreasberg, Heinrichsdorf und Alexander wurden gegründet.
Das Erzförderaufkommen im Bastenberg sowie im Dörnberg war jedoch zu gering, die erstellten Anlagen auszulasten und den für diese Unternehmen erforderlichen Gewinn zu erzielen. Man hatte schlicht die Ergiebigkeit der Ramsbecker Gruben überschätzt. Das gigantische Unternehmen brach am 29.03.1855 zusammen. Tausende Bergleute und Arbeiter verloren ihre Arbeit und standen vor dem Ruin.


Neubeginn ab 1855

Nach dem Zusammenbruch stand der neue Verwaltungsrat, der im Juni 1855 seine Arbeit aufnahm, finanziell vor dem Nichts. Viele Bergleute wanderten wieder ab und den verbliebenen Bergleuten wurden höhere Leistungen bei gleichem Lohn abverlangt; wer keine volle Leistung brachte wurde entlassen. Die verbliebenen Bergleute und ihre Familien gerieten in Not.
Dem neuen Verwaltungsrat gelang es, dem Unternehmen eine neue wirtschaftliche Basis zu geben. Eine weitere wichtige Maßnahme war die Zusammenfassung des Bergwerkeigentums zu zwei Gewerken und zwar den Bergwerken "Vereinigter Bastenberg und Dörnberg" sowie "Vereinigter Rieser Zug" im Jahr 1859. Nachdem 1867 weitere Flächen hinzukamen, erstreckte sich die Ausdehnung der beiden Bergwerke auf ein Areal von 16 x 8,5 km, in dem sich als Enklaven der Gewerkschaft Stadtberger Hütte die Gruben Juno, Luna und Gottesgabe befanden.


Entwicklung bis 1900

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Ramsbecker Bergbaus war gekennzeichnet durch ein Auf und Ab, dessen Ursachen stets in den stark schwankenden Rohstoffpreisen zu suchen war. Rationalisierungen und die Nutzung neuer Techniken sorgten dafür, dass der Ramsbecker Bergbau trotz der schwankenden Rohstoffpreise weiter bestand.
So wurden ab 1860 Eisenwagen eingesetzt, die von Pferden gezogen wurden. 1878 setzte man druckluftbetriebene Bohrer bei der Arbeit ein. 1890 wurde die Aufbereitung Willibald, fünf Jahre später die Aufbereitung am Bastenberg errichtet und 1897 die Schmalspurbahn zwischen Ramsbeck und Bestwig in Betrieb genommen.


20. Jahrhundert

1907 wurde die Ramsbecker Hütte geschlossen, da die Fördermengen der heimischen Gruben eine Auslastung nicht gewährleisteten. 1912 kam das Aus für den Bergbau am Bastenberg und nachdem die Grube Alexander 1937 geschlossen wurde konzentrierte sich der Bergbau nur noch auf den Dörnberg und den Auroraschacht.
Dreimal war der Grubenbetrieb ganz eingestellt:

  • 1923 als Folge der Inflation
  • 1931 durch die Weltwirtschaftskrise
  • 1945/46 durch den totalen Zusammenbruch des Dritten Reiches

Ein Konkurs, drei Betriebseinstellungen in rund 100 Jahren; und doch ging es mit dem Betrieb in den Ramsbecker Bergen irgendwie weiter, zumindest bis 1974. Denn trotz weiterer Rationalisierungen und Modernisierungen konnte die Grube nicht wirtschaftlich betrieben werden. Und wieder waren die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt der Grund. Die Grube wurde zum vorerst letzten Male geschlossen
Geblieben sind vom Ramsbecker Bergbau heute ein Bergbaumuseum und das Besucherbergwerk.